Das Kalte Herz ...

… ist ein berühmtes Märchen des schwäbischen Dichters Wilhelm Hauff (1802-1827) und zugleich Herzstück des Museums in Schloss Neuenbürg.

In sechs begehbaren Szenen wird das Märchen über menschliche Gier, Ehrgeiz, unerfüllte Wünsche und andere Verlockungen multimedial erzählt. Wie in einem Theater, wo Licht, Farbe, Musik und Klang für dramaturgische Effekte sorgen, erlebt der Besucher auch hier hautnah und mit allen Sinnen die schaurig-schöne Geschichte des armen Kohlenbrenners Peter Munk aus dem Schwarzwald, der durch einen finsteren Pakt zu Reichtum und Ansehen gelangt, dabei jedoch etwas Wesentliches verliert. Das Faszinierende an der Inszenierung in Schloss Neuenbürg: Der Besucher ist mitten drin im Geschehen!

Das kalte Herz" im Nordflügel des Schlosses ist deutschlandweit einzigartig. Seit 2001 haben mehr als 200.000 Besucher das Märchen gesehen.

„Ich gehöre allen, ich gehöre mir selbst, aber keiner Schule gehöre ich an, der Meister möchte sich nennen, wie er wollte. Ich fühle keinen Herrn und Meister über mir, dem ich Gehorsam schuldig wäre, als die ewigen Gesetze des Guten und Schönen, denen ich, wenn auch auf unvollkommene Weise, nachzustreben suche.“ (Wilhelm Hauff)

Zusammenfassung des Märchens ...

Das kalte Herz

Im „kalten Herz“ unterscheidet der Dichter Wilhelm Hauff den badischen vom württembergischen Teil des nördlichen Schwarzwalds. Während sich in Baden die Menschen im wesentlichen mit der Herstellung von Glas und Uhren beschäftigten, lebten die Württemberger hauptsächlich vom Flößen. Das Märchen erzählt das Schicksal eines Kohlenbrenners mit dem Namen Peter Munk.

Peter Munk ist mit seinem Leben als Köhler nicht zufrieden. Der Wohlstand anderer führt ihm die eigene armselige Existenz schmerzhaft vor Augen. In dieser Situation fallen ihm die Geschichten vom Glasmännlein und vom Holländer-Michel ein, die bereits einige andere Menschen zu respektablem Ruhm und Reichtum verholfen hätten.. Wenn ihn nur der komplette Vers vom Schatzhauser im Tannenwald einfiele, dann würde ihm das Glasmännlein zu Wohlstand verschaffen.

Eines Tages macht er sich nach dem dunklen Tannenbühl auf, wo die Menschen den Wohnort des Glasmännleins vermuten. Aber weil er die richtigen Worte nicht findet, bleibt die Erscheinung aus. Statt dessen beginnt es ordentlich zu spuken, und Peter flüchtet in eine abgelegene Flößerhütte. Dort erzählt ihm der Großvater der Familie die Sage vom Holländer-Michel, einem sowohl tüchtigen als auch ehrgeizigen Riesen, der das Floßholz bis nach Holland gebracht hatte und aufgrund des zusätzlichen Gewinns zu sehr viel Geld gekommen war. Aber mit dem Geld waren auch schlechte Worte, Trunk, Spielsucht und andere schlechte Sitten in den Schwarzwald gelangt. Seitdem spuke Michel im Wald, so berichtet es der Greis dem Peter Munk. in der Hütte.

Durch eine zufällige Begebenheit hört Peter Munk am nächsten Morgen von vorbeiziehenden Burschen die komplette Version des Schatzhauser-Liedes. Er stürzt sofort in den dichten Wald zurück, um das Glasmännlein zu finden – und begegnet auf dem Weg dorthin der furchterregenden Gestalt des Holländer-Michel, der mit Reichtümern lockt. Aber Peter entwischt ihm und erbittet sich anschließend vom Glasmännlein die Erfüllung dreier Wünsche. Als erstes wünscht sich Peter die Fähigkeit, besser zu tanzen, als der beste Tänzer weit und breit. Als zweites erbittet er sich die schönste und reichste Glashütte zu seinem Besitz. Das Glasmännlein ist betrübt über die Wahl Peters und verweigert ihm deshalb zunächst den dritten Wunsch.

Peter Munk genießt sein neues Leben in vollen Zügen. Aber die Glashütte vernachlässigt über seine Wirtshausgänge, so dass sie eines Tages Konkurs geht. Er überschüttet das Glasmännlein deshalb mit Vorwürfen und vertraut sich dem Holländer-Michel an. Dieser verspricht ihm aus der Not zu helfen. Die Hilfe hat jedoch einen hohen Preis., Peters Menschlichkeit. Die Bedingung des Holländer-Michels lautet, Peter Munk möge ihm sein herz überlassen. Im Austausch dazu erhält er ein steinernes Herz, das ihn gegen jegliches menschliches Mitgefühl immunisiert.

Noch einmal kostet Peter seinen Reichtum und sein gesellschaftliches Ansehen voll aus. Doch sein Herz bleibt dabei kalt und ohne jede Gefühlsregung. Peter Munk ist zwar wohlhabend, aber hat ein Herz aus Stein. Allmählich spürt er die negativen Folgen seines unmenschlichen und sinnentleerten Daseins. Auf dem Höhepunkt seiner Krise erschlägt er im Jähzorn seine eigene Gattin Lisbeth, nur weil sie einem alten Bettler Almosen etwas geholfen hat. Ein Rest von menschlicher Regung pocht noch in Peters Brust. Er ist verzweifelt und beschließt deshalb, sich noch einmal dem Glasmännlein anzuvertrauen. Schließlich hat er noch einen einzigen Wunsch offen. Anstatt Peter Munk den dritten Wunsch zu erfüllen, verrät ihm das Glasmännlein, wie er durch eine List sein verlorenes menschliches Herz vom Holländer-Michel zurückerhalten könne. Die List funktioniert, und am Ende landet Peter Munk wieder am Anfang: als Köhler im tiefen Wald. Als auch seine geliebte Lisbeth wieder lebendig wird, freut er sich und lebt zufrieden bis an sein Ende.