Die Geschichte des Peter Munk ...

Ich bin ein Köhler. Es ist wahrhaft nicht der schönste Beruf, den man sich vorstellen kann. Aber was soll's, ich bin es zufrieden. Immerhin lebe ich zusammen mit meiner schönen Gattin Lisbeth, meiner ehrwürdigen Mutter und neuerdings auch noch mit einem Sohn. Das Glasmännlein, dem ich all das zu verdanken habe, lässt sich zwar nicht mehr blicken, aber zur Geburt meines Sohnes hat es mir doch ein paar Goldtaler geschenkt. Es ist halt doch besser, mit dem wenigen, das man hat, zufrieden zu sein.

In jungen Jahren, da war das anders. Ich verabscheute meinen Beruf, den ich ausübte, weil bereits mein Vater ein Köhler gewesen war. So war das damals gewesen: Den Söhnen fiel nichts Besseres ein, als den Beruf des Vaters auszuüben. Ich hatte viel Zeit, während der Meiler die Arbeit verrichtete. Ich war arm und fühlte mich elend. Die Glasmänner und Uhrenmacher und all die anderen vergnügten sich abends im Ehrenwams. Aber welches Mädchen will schon mit einem schmutzigen Kohlenbrenner tanzen? Selbst die Flößer hatten es besser, sahen sie doch wenigstens auf ihren Reisen etwas von der großen, weiten Welt. Alle hatten Geld, nur für unsere Familie reichte es gerade zum Überleben.

Ich bin an einem Sonntag geboren worden. Als ich erfuhr, dass das Glasmännlein den Sonntagskindern all ihre Wünsche erfüllen würde, beschloss ich sogleich, das Glasmännlein aufzusuchen. Das war gar nicht so einfach, denn niemand kannte den Vers, mit dem der Schatzhauser aus dem Tannenbühl hervorzulocken sei. Durch Zufall schnappte ich die fehlenden Worte auf und eilte sofort in den Wald, um das Glasmännlein zu rufen. Zwei Wünsche erfüllte mir das Glasmännlein auf der Stelle. Aber ach, sie nützten mir wenig. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich dem Waldgeist zürnte, als ich die Glasmühle allmählich zugrunde richtete, als ich gar meinen letzten Heller und Batzen beim Spielen verlor. Ich hätte damals besser nachdenken sollen, bevor ich meine Wünsche äußerte!

Als ich so arm war wie zuvor und mir auch noch die Geldeintreiber im Nacken saßen, da wusste ich mir nicht mehr anders zu helfen, als mich an den Holländer-Michel zu wenden. Bereits zuvor hatte er mir versprochen zu helfen. Seine Lösung des Problems leuchtete mir unmittelbar ein: Ich war die ganze Zeit zu gutmütig und zu freigiebig gewesen. Wer sein Geld hinauswirft und an die Armen verschenkt, der wird es im Leben nie zu etwas bringen. Deshalb dachte ich mir nicht viel dabei, als der Holländer-Michel seine Bedingung vortrug, ich müsste mein Herz gegen ein Herz aus Stein vertauschen. Schien mir doch mein Herz die Ursache der ganzen Misere zu sein! Am Anfang war alles gut: ich heiratete eine durch und durch leibenswerte und schöne Frau, war reich und geachtet. Auf meinen Reisen lernte ich die ganze Welt kennen. Doch auf dem Weg zurück in meine Heimat stellte ich auf einmal schmerzhaft fest, dass ich zu keiner Gefühlsregung mehr fähig gewesen bin. Ich sehnte mich allmählich wieder an mein altes menschliches Herz. Auf dem Höhepunkt meiner Depression erschlug ich im Jähzorm meine eigene Gattin, nur weil sie einem Bettler Brot und Wein gegeben hat.

Ich gebe ja zu, dass ich den Holländer-Michel schließlich betrogen habe. Aber ich wollte nun unbedingt mein eigenes Herz wiederhaben, und freiwillig hätte mir der Waldgeist das Herz niemals zurückgegeben. Gott sei Dank hatte das Glasmännlein Mitleid mit mir und verriet mir eine List, wie ich es am besten anstellen konnte. Der Holländer-Michel kann zwar zaubern und echte Herzen gegen steinerne vertauschen. Aber als ich das Kreuz aus der Tasche zog und ihm vor das Gesicht hielt, da verpufften seine Zaubertricks.

Ich musste mir vom Glasmännlein noch eine gewaschene Predigt anhören. Aber er hat nur allzu recht. Wie glücklich war ich, als auf einmal Lisbeth wieder ganz lebendig war! Ich gelobte Reue und bin froh, dass seitdem nie mehr ein kaltes Herz in meiner Brust schlägt.