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Den Neuenbürgern ist ihr Schloss recht teuer

Andrea Koch-Widmann
(Stuttgarter Zeitung, 04. Dezember 2002)

Jahrelang haben die Neuenbürger mit dem Land um die Restaurierung ihres Schlosses gerungen. Doch bereits nach einem Jahr wird die Lust mit dem alten Gemäuer zur Last. Jetzt muss sich der Gemeinderat entscheiden, wie viel ihm die Kultur auf dem Schloss wert ist. [...]
Neuenbürgs Schloss ist ein verstecktes Kleinod. Wer mitten in der Stadt steht, kann nicht sehen, was hoch über ihm thront. Ein Schild, das einem Fußgänger den steilen Weg die Steige hinaufweist, ist auch nicht zu entdecken. Autofahrer haben es ebenfalls schwer, die einzig mögliche Zufahrt zu finden. Ihr nächstes Problem allerdings wäre, dort oben einen Parkplatz zu bekommen, denn es gibt nur 30. Bei Veranstaltungen behilft sich die Stadt mit einem Buspendelverkehr. Dennoch wurden in diesem Jahr rund 50 000 Besucher insgesamt gezählt.
Der Bekanntheitsgrad und die Zufahrt sind denn auch die beiden Hauptprobleme, mit denen sich der Gemeinderat beschäftigen muss. Beide ließen sich mit Geld, mit viel Geld lösen. Das jedoch hat die Stadt nicht. So stellte denn Bürgermeister Theo Schaubel bei den Haushaltsberatungen den jährlichen Abmangel für Unterhalt und Kulturveranstaltungen im Schloss auf den Prüfstand. "Jährlich 250 000 Euro sind viel zu viel", sagt der Bürgermeister der 8000 Einwohner großen Stadt. Deshalb möchte er den städtischen Obolus auf 150 000 Euro im Jahr 2003 herabsetzen. Bei den Sparmöglichkeiten seien "der Kreativität keine Grenzen gesetzt", sagt Schaubel. Er denkt dabei an die Durchforstung des Veranstaltungsreigens und "Umsetzungen beim Personal". Dann jedoch, so warnt der Kämmerer Norbert Mai, der zudem auch Leiter des Eigenbetriebs Schloss ist und somit einen "wahren Eiertanz" machen muss, "dann wird das Schloss an Niveau verlieren". Denn noch sei das Schloss mitsamt seinem Museum in der Aufbauphase und müsse bekannt gemacht werden. "Die Perle von Neuenbürg", meint Mai als Schlossverantwortlicher, "dürfen wir nicht runterwirtschaften."
Das sehen offensichtlich auch die Gemeinderäte fraktionenübergreifend so. CDU-Stadtrat Karl-Eugen Jetter jedenfalls hat "die Kampfeswut gepackt, dem willkürlichen Rotstift Einheit zu gebieten". Beim Schloss zu sparen, wäre in der Aufbauphase "das absolut falsche Signal". Bereits im April dieses Jahres hatte das Gremium den Bürgermeister bei den verspäteten Etatberatungen für 2002 gestoppt, der fürs erste volle Betriebsjahr des Schlosses bereits den jährlichen Abmangel reduzieren und somit durch die Hintertüre eine Personalstelle einsparen wollte. Im Januar müssen die Stadträte Farbe bekennen. [...]