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Ingrid Vollmer, Märchenhaftes Museum im Jagdschloss

(Stuttgarter Nachrichten vom 12. März 2001)

Mit einer für Süddeutschland einmaligen Konzeption eröffnet das Badische Landesmuseum Karlsruhe im Schloss Neuenbürg im Enzkreis seine neunte Zweigstelle.

Nach fünfjähriger Umbauzeit erwartet die Besucher ab 30. Juni im württembergischen Jagdschloss ein „begehbarer Märchenfilm“, der anhand von Wilhelm Hauffs „Das kalte Herz“ Geschichte und Wandel des Nordschwarzwaldes aufzeigt. Als „Erlebnis- und Freizeitpark“ sieht Professor Harald Siebenmorgen, Leiter des Badischen Landesmuseums, sein neuestes Projekt in Neuenbürg.

Im Renaissanceschlösschen Neuenbürg wird Siebenmorgen künftig für die wissenschaftliche Begleitung der Dauerausstellung sowie jährliche Sonderausstellungen im 400 Quadratmeter großen Weinkeller sorgen. „Es war eine schwierige Herausforderung“, sagt er, „denn alle Faktoren sprechen gegen ein Museum konventioneller Art.“ Also spannte er das Schweizer Gestaltungsbüro Otto Steiner – in Museumsfragen anerkannt – ein und ließ sich ein Konzept für ein Museum anderer Art erarbeiten.

Siebenmorgen gerät ins Schwärmen, wenn er ein wenig dessen preisgibt, was die Besucher erwarten wird. Die Geschichte des Nordschwarzwaldes, der Flößer und Glasbläser und des industriellen Wandels wird in Neuenbürg nicht mit Schriften, Tafeln und Gegenständen erklärt. Das Hauffsche Märchen „Das kalte Herz“ wird stattdessen inszeniert: In fünf aufeinanderfolgenden Räumen erfahren kleine Besuchergruppen mit Licht, Ton, Ausstellungsobjekten und interaktiven Mitteln auf ganz neue Weise etwas über Land und Leute rund um Neuenbürg. „Wie von Geisterhand öffnen und schließen sich die Türen, es wird dunkel, und dann geht es los“, verrät Siebenmorgen.

Der zweite Teil des Museums beschäftigt sich mit der Region, der Stadt und dem Schloss: Hier erzählen die Biografien von Teilnehmern einer Tischgesellschaft Geschichte. Begleitveranstaltungen, Gastronomie, ein Museumsshop und Ritterturniere sollen die Besucher zu dem im Dornröschenschlaf liegenden Schloss aus dem zwölften Jahrhundert locken.

Für den Betrieb des Museums sorgt die Stadt Neuenbürg. Sie trägt auch sechs Millionen der 15 Millionen Mark Baukosten. Neun Millionen schießt das Land zu. Das Badische Landesmuseum ist fürs „Bespielen“ zuständig. Genauso wie bei den Außenstellen in Bruchsal, Osterburken, Hirsau, Freiburg, Staufen und Karlsruhe. „Neuenbürg muss nicht unser letztes Zweigmuseum sein“, kündigt Siebenmorgen an. Das Weltkulturerbe Insel reichenau müsse größeren Touristenströmen historisch und museal besser transferiert werden, findet er.