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Sonderausstellung "Schwarzwälder Wonnen"

(Schloss Neuenbürg)

23. Februar - 21. April: Sonderausstellung
Schwarzwälder Wonnen - Rund um die Königin der Torten

Eines der bekanntesten Markenzeichen des Schwarzwalds ist die Kirschtorte. Die berühmte Kreation aus Biskuit, Kirschen, Kirschwasser und Sahne gilt als Erfindung des Radolfzeller Konditormeisters Josef Keller aus dem Jahr 1919. Der erste Teil der diesjährigen Ausstellungsreihe gibt einen umfassenden Einblick in die Geschichte der süßen Spezialität, ihrer Zutaten und ihre Verbreitung. Vorfahren der heutigen Torte könnten die Schwarzwaldtorte sein, die Ende des 19. Jahrhunderts in einer Konditorei in Badenweiler hergestellt wurde, eine Kirschkremtorte aus der Schweiz oder auch die aus Berlin bekannte Schwarzwälder Kirschsahnetorte (um 1925). Das heutige "Originalrezept" stammt offenbar von Josef Keller, der in seinem 1919 neu eröffneten Café in Radolfzell diese Torte das erste Mal mit großem Erfolg servierte. Zwar fehlte das Rezept noch in bekannte Kochbüchern aus den 1920er Jahren, doch war der Aufstieg zur Königin der Torten seither nicht mehr aufzuhalten. Natürlich hat sich die Zubereitung nicht nur verändert sondern auch unzählige Varianten in aller Welt hervorgebracht. So verwendet man heute Sahne statt der bis in die 1950er Jahre beliebten Butter-Creme. Die Rezeptvielfalt löste sich im Laufe der Jahre allmählich so weit vom "Originalrezept", dass Konditoren und Bäcker es für nötig hielten, Leitsätze zu formulieren: Die Menge des zugesetzten Kirschwassers muss "geschmacklich deutlich wahrnehmbar" sein, der gesamte Boden muss mit Sauerkirschkompott bedeckt sein, der Biskuitboden muss mindestens 3 % Kakaopulver enthalten... und so fort. Mit der Veränderung der Rezepturen von der Butter-Creme zur Sahne und von Hand hergestellten Zutaten bis zur Tiefkühl-Fertig-Torte wird zugleich ein Blick auf die sich ändernden Ernährungsgewohnheiten sowie Herstellung und Umgang mit Lebensmitteln geworfen. So werden der Kirsche als wichtige geschmacksgebende Zutat wird ein eigener Bereich gewidmet, ebenso wie dem "Umfeld" der Torte, also dem gemütlichen Genießen mit einer Tasse Kaffee. In diesem Zusammenhang wirft die Installation "Kaffeeklatsch" der Tübinger Textilkünstlerin Stefanie-Alraune Siebert einen skurril-humorvollen Blick auf eine (fast) lebensechte Szenerie mit Personen beim Genuss eben dieser Torte.

Ergänzt wird die Ausstellung von einem reichhaltigen Begleitprogramm, das dem Publikum Gelegenheit für Kostproben und eigene Kreationen gibt. Aber auch das historische Lernen kommt nicht zu kurz: Erwachsene und Kinder haben am Sonntag, den 3. März von 14 bis 18 Uhr Gelegenheit, rund um den Kaffeetisch selbst tätig zu werden: Kaffee zu rösten, von Hand zu mahlen und natürlich zu kochen. Begleitend dazu bietet die Münchner Kulturwissenschaftlerin Katja Mutschelknaus um 15 Uhr einen Überblick über die Kulturgeschichte des Kaffees und des Damenkränzchens unter dem Titel "Wenn die Weiber Kaffee trinken, hüpfen sie wie Distelfinken." Am Sonntag den 24. März widmet sich der Familiennachmittag der traditionellen Herstellung von Sahne und Butter, wiederum zum aktiven Mitmachen. Zum Zuschauen und kritischen Beurteilen laden Konditoren am 7. April ins Schloss ein, wenn sie unter dem Titel "Kuchengeheimnisse" Tipps und Ideen zur Tortenherstellung und -gestaltung geben.


13. September bis 1. Dezember 2002:
Sonderausstellung (Teil 2)
Schwarzwälder Wonnen - Schinken, Kirschwasser und mehr

Der zweite Teil der Jahresausstellung widmet sich den Spezialitäten einer Schwarzwälder Vesper - dem Schinken und Kirschwasser. Ergänzt werden die bekannten Gerichte durch regionale Wildspezialitäten, wozu auch der heute unter Naturschutz stehende Auerhahn gehört. Schweinemast war in den Wäldern eine wichtige Nahrungsgrundlage. In spezieller Weise geräuchert, entwickelte er sich zu einem der bekanntesten Schwarzwaldspezialitäten Die Kenntnis von der Herstellung des Kirschwassers kam im Spätmittelalter aus Straßburg über den Rhein nach Oberkirch. Die klimatisch günstige Lage am Westhang des Gebirges eignete sich ideal für Obstbau. Dessen Erzeugnisse wurden bald zu einem wichtigen Exportartikel. Die Ausstellung gibt einen Überblick über alles was zur Herausbildung einer regionalen Spezialität wichtig ist: Landschaft, Klima, wirtschaftliche Entwicklung aber auch Brauchtum und Kunsthandwerk. Wiederum bietet ein Begleitprogramm Gelegenheit zum Selbermachen und unterhaltsame Kostproben.

presse_schwarzwaelder.PDF