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Christiane Viehweg
Phantasievoller abendlicher Maskenzug vom Kirchplatz zum Neuenbürger Schloss hinauf (Pforzheimer Kurier, 09. Februar 2002)
Leise, leise hatten sie sich unten am Kirchplatz versammelt: Lauter phantastische, seltsame Gestalten, die sich sanft bewegten. Eine erinnerte an ein Einhorn, dem die zweigeteilte Zunge zum Hals heraushing, ein anderes war weiß gewandet und schien ständig zu mahnen. Manche erinnerten an riesige, unbekannte Insekten. Dann gab es eine Dame, die ein Herr im Arm hatte, die hatte ihren Körper verloren.
Riesige Eier lagen auf dem Kopfsteinpflaster in einem Nest am Fuße des Schlossberges. Nach offensichtlicher Beratung einiger Masken, die die Köpfe ernst zusammensteckten, nahmen sie die Eier aus dem Nest und warfen sie hin und her. Ganz leicht waren die Eier offensichtlich, denn die Kinder konnten sie nach dem ersten Schreck mühelos auffangen. Sehr rätselhaft das alles.
Nach 17 Uhr zogen dann etwa 200 Gestalten gemessenen Schrittes den Schlossberg hinauf, Maskierte und Unmaskierte. Darunter auch die "Wildbader Nachteulen", "Hedwig und Pigwidgeons" (lauter Kinder) und auch eine tieftraurige Gestalt mit einer abgeblühten Rose im Mund, aus der überall Geldscheine quollen - die guten alten Markscheine natürlich. "Ade D-Mark."
Nach dem stillen Marsch bergan versammelten sich die Masken im Schlosshof und legten ihr Häs ab. Jetzt spielte auch die Musik: Die Stadtkapelle war erschienen und schmetterte alles, was den Neuenbürgern gefällt. Die originellen Verkleidungen wurden an der Schlossmauer angebracht, wo sie auf die Musikanten und Schlossbesucher in ihre rätselhaften Weise herabblickten.
Ein Faschingsumzug der besonderen Art war das. "Im nächsten Jahr könnte vielleicht ein Trommler vorneweg ziehen?" schlug eine Neuenbürgerin vor, die gegen ein bisschen Krach unterwegs nicht einzuwenden gehabt hätte.
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