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(Pforzheimer Zeitung 19. September 2005)
Ob der Besucher am Samstag auf dem Neuenbürger Schlossberg "Keltenwelten" oder "Kältenwelten", gewürzt mit Dauerregen, erleben würde, war am Vormittag noch nicht entschieden. Doch dann hatte der Wettergott ein Einsehen, der große Regen blieb aus, die Temperaturen waren erträglich und am Sonntag schien die Sonne. Geboten wurden Einblicke in keltisches Leben von großer Eindringlichkeit. Neuebürgs Bürgermeister Theo Schaubel bezeichnete die "Keltenwelten" bei der Eröffnung als einen Höhepunkt in der Veranstaltungsreihe "Spectaculum Ferrum - 2500 Jahre Eisenerzbergbau in Neuenbürg". Besonders begrüßte Schaubel die Wissenschaftler, Dr. Britta Rabold, Fachbereichsleiterin Archäologie und Dr. Günther Wieland, Gebietskonservator Archäologie, beide vom Regierungspräsidium Karlsrhe; Dr. Simone Stork vom Keltenmuseum Hochdorf und Dr. Guntram Gassmann, selbständiger Archäologe und Geologe aus Tübingen. Schaubel dankte der Arbeitsgemeinschaft "Frischgluck" und ihrem Vorsitzenden Jürgen Härter sowie der Leiterin des Schlossmuseums Neuenbürg, Elke Osterloh, für das große Engagement bei der Organisation des Festes. Günter Wieland referierte über die sensationellen Funde, die Guntram Gassmann und er in Neuenbürg und Waldrennach gemacht haben. "Wir werden die Geschichte des vorchristlichen Eisenerzbergbaus in Süddeutschland neu schreiben müssen und Neuenbürg wird dabei eine herausragende Rolle einnehmen", betonte Wieland und ergänzte: "Jede Antwort auf eine offene Frage, die wir finden, wirft drei neue Fragen auf, die Forschungen müssen unbedingt weitergehen." Zunächst sehr zögerlich, doch dann immer stärker strömten die Besucher auf den Schlossberg, um das Lagerleben bei den verschiedenen Gruppen hautnah zu erleben. Im Lager der Gruppe "Carnyx" sah man Frauen mit der Handspindel Spinnen oder mit der Brettchenweberei Schmuckborden als Zierelemente für die bunte keltische Wollkleidung herstellen. Wie die Kelten den Bronzeguss handhabten oder Münzen prägten war zu sehen, ebenso konnte man sich am Schießen mit Pfeil und Bogen erproben. Besonders eindrucksvoll war der Nachbau des Heiligtums von Roquepertuse mit der Darstellung der Schädel besiegter Feinde auf dem Torbogen. Die Gruppe "Carnyx" benennt sich nach der keltischen Kriegstrompete, die mit ihren archaischen Tönen das Keltenfest eröffnete. Nach dem Untergang der süddeutschen Keltenzentren gab es im Gebiet von Hochwald und Prims, an der Grenze zwischen Hunsrück und Saar, ein halbes Jahrtausend eine blühende keltische Kultur, bekannt als Hunsrück-Eifel-Kultur. Ihrer Erforschung und Nachbildung hat sich der Verein "Treveri Primantiani" verpflichtet. Unter dem Motto "Lebendige Archäologie-Freude am Entdecken" zeigten sie alte Handwerke wie Schnitzen, Leder- und Metallverarbeitung wie Weben und Färben. Dabei geht es ihnen um die möglichst korrekte Nachbildung von Alltagsdingen wie Schuhen oder Kleidungsstücken. In ihrem Gebiet gab es das "Gold der Kelten", Toneisenstein, bekannt als "Lebacher Ei", aus dem sie Eisen gewannen. Bäuerliches Leben demonstrierte die keltische Bauernfamilie "Arduina" aus Schorndorf. Wie sich Kelten verpflegten, erfuhr man bei der Gruppe "Artaunon-Verein für Frühgeschichte" aus Neu-Anspach in Hessen. Hier konnte man nicht nur beim Zubereiten der Speisen zuschauen, sondern sie auch verzehren. Eine Sauerampfersuppe, Beifußwürstchen oder ein Dinkeleintopf, gekocht auf offenem Feuer und anderes mehr stand auf der Speisekarte und sah doch sehr gewöhnungsbedürftig aus. Doch den Artaunonkelten schien es zu schmecken. Das Verhütten von Eisenerz war Jahrhunderte lang an das Vorhandensein von Holzkohle gebunden. Schon von Weitem war der Rauch des Kohlemeilers zu sehen und zu riechen, den die Köhlergruppe Sprantal im hinteren Schlosspark betrieb. Wie die Holzkohle in den Rennöfen der Kelten eingesetzt wurde, zeigte Guntram Gassmann am nachgebauten Rennofen. Das Schmieden von Eisen oder besser von Stahl zeigte ein Schmiedemeister aus Mössingen-Talheim. Für die Jugend hatten sich die Veranstalter eine Reihe von Aktionen einfallen lassen. Viel Spaß hatten die Kleinsten beim Keltenkegeln, wo Holzstücke mit einem, an einer Schnur aufgehängten Stein zu treffen waren. Beim Steinanheben, mit einem an einer Rolle befestigten Seil und Schätzen des Gewichts, taten sich alle Generationen schwer, Ponyreiten war da schon bequemer. Für das leibliche Wohl der Besucher, die sich nicht keltisch ernähren wollten, war bestens gesorgt.
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