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Gelungene Krimi-Melange

Ralf Recklies
(Pforzheimer Zeitung, 01. Juli 2002)

Es ist immer wieder überraschend, wie es den Machern des Festivals „Jazz im Schloss Neuenbürg“ gelingt, Jahr für Jahr mindestens eine außergewöhnliche Konzertveranstaltung in ihr Programm aufzunehmen. Diesmal wurde das „Bonbon“ der vierteiligen Frühsommer-Reihe gleich zum Auftakt gereicht. „Der Detektiv und das Saxophon“ ist der Name der jazzigen Krimishow mit dem Sprecher Jo Jung und der Formation „Boogaloo“, die es im ehemaligen Pferdestall des Neuenbürger Schlosses zu erleben gab. Und die Begeisterung des Publikums am Ende des „Hörkinos“ zeigte, dass die Verantwortlichen mit ihrer Wahl richtig gelegen haben, auch wenn die Konzertarena diesmal nicht zum Bersten gefüllt war.

Wer angesichts des Programmtitels „Der Detektiv und das Saxophon“ damit gerechnet hatte, eine Präsentation im Stile der Kölner „Saxofon Mafia“ präsentiert zu bekommen, sah sich getäuscht. Auch wenn beide Formationen die Leidenschaft für das Krimigenre verbindet, so ist die Akustikshow „Der Detektiv und das Saxophon“ doch eher ein Hörspiel mit Jazzelementen, als ein Jazzkonzert mit kriminalistischen Einlagen. Nicht, dass der Textteil der außergewöhnlichen Show dominieren würde: Fein aufeinander abgestimmt bietet die Kriminalshow für einen Sprecher und fünf Musiker vielmehr die Möglichkeit, sich durch eine eigenwillige Krimiwelt führen zu lassen, in der sich frisch arrangierte Titelmelodien bekannter Krimiserien mit texten Jo Jungs munter zu einer Melange mal heiterer, mal Gänsehaut erregender Klanggeschichten verweben, in denen die Instrumentalisten mit viel Spaß die Jung-Texte akustisch untermalen, während dieser mit seiner Schreibmaschine nicht selten den Schlagzeuger Christoph Sabadino mit Schreibmaschinengeklapper bei der Rhythmusgebung unterstützt.

Es ist spannend, wie es den fünf Musikern Ruth Göhring (Saxofon), Martin Johnson (Piano), Thomas Kraus (Gitarre), Christoph Sauer (Kontrabass) und Christoph Sabadino (Schlagzeug) mit scheinbarer Leichtigkeit gelingt, einerseits die Inhalte der Junggeschichten in schaurig-schöne Töne umzusetzen, andererseits aber auch interessant arrangierte Krimihits von Serien wie „Tatort“ und „Derrick“ oder den Abenteuern von Miss Marple oder James Bond mit eigener Note zu spielen. Herrlich vor allem das frisch, freche und oft auch rotzige Saxofonspiel Ruth Göhrings sowie die Präsentation Martin Johnsons, der mit seiner Orgel nicht selten traurig-schöne Sounds erzeugte. Gelungen dabei vor allem die Kombination aus schrillen und schroffen Saxofonklängen mit den oft wabernden, geheimnisumwitterten Orgelklängen. Dazu die treibenden Beats der Rhythmussektion und das Maschinenspiel Jo Jungs: Interessanter lassen sich die oft für Orchester komponierten Krimimelodien in kleiner Besetzung kaum umsetzen. Die Musik war an diesem Abend nur ein Element der Show. Jo Jung mit seiner charismatischen, wechselhaft-geheimnisvollen Stimme trug gleichermaßen subtile absurde Geschichten vor, die zu einem abwechslungsreichen Hörspiel wurden, das voller Überraschungen und Wandlungen steckte.
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