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(von Otto Jolias Steiner, Ausstellungsgestalter)
In Neuenbürg gibt es ein Schloss. Und dafür suchten die Menschen eine sinnvolle Verwendung. Ein Museum erschien als eine gute Lösung, und über das Badische Landesmuseum Karlsruhe erhielten wir den Auftrag, eine Vision für das Schloss zu entwickeln.
Als Erstes stellte sich die Frage nach der Aufgabe, dem Sinn und dem Zweck des Museums. Die Konkurrenzsituation mit der ganzen Breite von Freizeit- und Unterhaltungsangeboten verlangt auch von den Museen eine Neuorientierung: Zwei grundsätzliche Aufgaben haben wir für das Schloss Neuenbürg herausgearbeitet:
1. Das Schloss soll der Bevölkerung gehören: Das Schloss Neuenbürg besitzt mit dem Hof, dem Garten, dem Restaurant und dem Wald gute Voraussetzungen für vielfältige Veranstaltungen. Angefangen von jahreszyklischen Ereignissen mit allen möglichen Schattierungen über gesellschaftlich relevante Sonderveranstaltungen bis hin zu privaten Festen. Hier handelt es sich um die lokale Ausstrahlung des Hauses, die im Wechselspiel zwischen den Angeboten im Schloss und den Anfragen aus der Bevölkerung entstehen. Die vorhandene Infrastruktur steckt zwar noch in den Anfängen, aber mit gutem Willen und Idealismus kann daraus ein einmaliges Umfeld für alle Neuenbürger entstehen.
2. Das Schloss kann zu einem überregionalen Anziehungspunkt werden. Dafür haben wir in der zweiten Etage ein Museum eingerichtet, das mit seinem Unterhaltungswert viele Menschen von nah und fern anziehen soll. Das kalte Herz als mechanisches Theater und die Regionalgeschichte als poetische Szenerie des ewigen Abreisens sind Bilder, die in den Köpfen der Besucher haften bleiben. Bilder, die sie weitererzählen und die wiederum Besucher bringen werden.
Bei der Umsetzung dieses Konzeptes haben wir uns auf die zweite Etage des Schlosses, das Museum, konzentriert. Wir haben also jenen Teil gestaltet, der überregional Besucher anziehen soll. Angetroffen haben wir eine Sammlung, die noch sehr jung ist. Will man mit dem vorhandenen Material die Chronologie des Schlosses, der Stadt und der Umgebung illustrieren, so offenbaren sich große Lücken. Und die wenigen Überbleibsel der Geschichte erzählen die Ereignisse auch nur recht bruchstückhaft und ungenau. Das gilt erst recht für Gefühle und Emotionen. Der Grundsatz unserer Arbeit lautet hingegen, dass wir zum Staunen und zum Fühlen anregen möchten. Wir wollen bewegen und erregen. Wir wollen die Menschen mitnehmen auf eine Reise in die Vergangenheit und zu einer Reise zu sich selbst. Wir reihen nicht Datum an Zahl, sondern wir suchen dahinter die Emotion. Was ist geschehen? Wie ist es dem Menschen dabei ergangen?
Ob es uns gelingt, einen weiteren Meilenstein zur Entwicklung der Museumslandschaft zu setzen, wird wohl erst der Museumsalltag zeigen. Gemessen werden in der Regel die Besucherzahlen. Für uns zählt hingegen zunächst, ob die Besucher das Museum "mit leuchtenden Augen" verlassen und begeistert von den Erlebnissen erzählen.
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