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Armin Guzy, Märchenschloss mit elektrischem Butler

(Der Enztäler/Wildbader Tagblatt vom 19. Januar 2001)

“Weil Sie es sind“, wird Butler Ambrosius mit elektronischer Stimme sagen, „und weil heute so ein schöner Tag ist.“ Dann dürfen die neugierigen Besucher durch die Tür treten, weiße Laken von alten Möbeln ziehen, schamlos in Schubladen stöbern und die Stücke sogar berühren. Ein schlechtes Gewissen müssen sie deswegen nicht haben, denn das alles soll sich demnächst im Neuenbürger Schloss abspielen – in einem Museum mit völlig neuartiger Konzeption, in dem Anfassen erlaubt ist.

Noch ist dieses Konzept nicht umgesetzt, aber fantasievolle Köpfe und fleißige Hände arbeiten im Eiltempo daran. Schließlich soll das Schlossmuseum schon Ende Juni seine wuchtigen Holztore für die Besucher öffnen. Hinter diesen Toren, so wollen es die Museumsmacher, werden auf die Besucher aber keine wertvollen Exponate warten, keine uralten Rüstungen oder gar eine prallgefüllte Schatzkammer. Hinter diesen Türen wartet ein Märchen – und die Menschen sollen darin eintauchen, sollen zu einem Teil des Stückes werden und so alles ganz intensiv erleben. „Wir wollen doch alle irgendwie verzaubert werden“, meint Andreas Haller vom Stadtmarketing in Neuenbürg. Gemeinsam mit Christof Müller und Elke Osterloh, die seit knapp drei Wochen Leiterin des noch im Umbau befindlichen Museums ist, stellte Haller gesttern vor, wie es im Neuenbürger Märchenschloss zu dieser Verzauberung kommen soll: Ein „begehbarer Film“ soll dafür sorgen, mit „Theatralik“, „Lichtdramaturgie“, viel Musik und, daran anschließend, eine „Zeitreise“ in die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner.

In zwei Teile wird das Museum deshalb derzeit gegliedert: In ein Märchenschloss, in dem die Besucher in symbolischen sieben Räumen die Erzählung „das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff hautnah erleben. Eigens dafür wird ein Boden geschaffen, der das Gefühl vermitteln soll, man laufe auf weichem, federndem Waldboden. In den abgedunkelten Räumen werden die Besucher den verzweifelten Helden Peter begleiten, auf den Holländer-Michel treffen, sehen, wie das „kalte Herz“ verpflanzt und wie der Held letztendlich doch gerettet wird. So sehr sollen die Empfindungen der großen und kleinen Besucher angesprochen werden, dass sogar eine Art Ruheraum geplant ist, wo den Märchenabenteurern „erstmal wieder warm ums Herz werden kann“.

Der zweite Teil des Museums wird mit Ausstellungen dagegen etwas konventioneller aufgezogen, unterscheidet sich aber dennoch in vielen Punkten von herkömmlichen Konzeptionen: Butler Ambrosius, eine elektronische Figur nach historischer Vorlage, spielt die Rolle des Türstehers zwischen der Märchenwelt im ersten Flügel und der Zeitreise, die im zweiten Schlosstrakt stattfinden soll. Er begrüßt die Gäste und gibt danach den Weg frei in die Residenz der früheren Schlossherren. Als wären diese gerade nicht da, sollen alle Möbelstücke mit Tüchern abgehängt sein, die die Besucher zum Forschen und Stöbern anregen werden. Zudem gibt es in diesem Teil des Museums eine Diashow, die Katastrophen, Kriege, Krankheiten, aber auch die freudigen Zeiten thematisiert.

Das Konzept, das dahinter steht, ist so einfach wie schlüssig: Schilder mit viel Text – ständige Weggefährten in den meisten Museen – überfrachten auch Erwachsene, von den Kindern ganz zu schweigen. Wenn Menschen aber die Möglichkeit gegeben wird, selbst etwas zu entdecken, es anzufassen, es zu bewegen, dann wird das Neue tatsächlich begreifbar. Ganz nebenbei können dann auch Sachinhalte transportiert werden, die sonst eher trocken sind. Im Falle des Neuenbürger Museums soll die Geschichte der wechselnden Schlossherren und die Geschichte der näheren Umgebung anschaulich vermittelt werden. „Was hat das Leben hier und im Schwarzwald ausgemacht?“ – das sollen die Besucher spielerisch begreifen und verinnerlichen.